Erfolgsautor Martin Walker war zur Krimi-Lesung in Bad Hersfeld

Von Ute Janßen, Hersfelder Zeitung, 13.10.18

Eine Leiche im Leckerland

Bad Hersfeld. Der schottische Erfolgsautor Martin Walker war zu einer Lesung in Bad Hersfeld. Seine Krimis, die im Périgord in Frankreich spielen, haben auch bei uns viele Fans. 

Prähistorische Venusfigurinen, Höhlenmalereien, der legendäre verschollene Templerschatz, eine Mitarbeiterin des Pariser Justizministeriums mit karibischen Wurzeln, die dem Dorfpolizisten Bruno Courrèges als Begleiterin an die Seite gestellt wird, viel gutes Essen in geselligen Runden, die Landschaften des Périgord und eine weibliche Leiche auf der uralten Burg Commarque – das sind die „Zutaten“, aus denen Martin Walker den zehnten Band seiner Krimireihe um den Chef de Police Bruno zusammengestellt hat.

Plauschen mit Fans: Martin Walker in der Bad Hersfelder City Galerie.  © Foto: Ute Janßen

Der schottische Autor, der seit fast 20 Jahren unter anderem im Périgord lebt, das er selbst als das „kulinarische Herzland Frankreichs“ bezeichnet, las auf Einladung der Hoehlschen Buchhandlung in der City Galerie aus seinem neuen Roman. Womöglich, so lässt Walker einen Grafen räsonnieren, habe man in Frankreich doch zu viel Geschichte.

Walker las die Passagen aus seinem Roman auf Englisch, da sein Deutsch, wie er bekundete eher „primitiv“ sei. Er habe die Sprache nicht in der Schule gelernt, seine „Lehrer“ seien neben Kurt Weill und Lotte Lenya vor allem Marlene Dietrich und die Toten Hosen gewesen. Als deutsche Stimme hatte ihm Jürgen Bode von der Hoehlschen Buchhandlung Holk Freytag an die Seite gestellt, der im Anschluss an die englischen Texte die deutschen Übersetzungen las.

Martin Walkers Englisch war insgesamt gut verständlich, Walker „las“ meist weniger, als er mit augenzwinkerndem Humor eher fast auswendig rezitierte. Das ließ auch das Zuhören in den englischsprachigen Teilen der Lesung zu einem kurzweiligen Vergnügen werden. Um daraus Genuss ziehen zu können, muss man nicht zwangsläufig zu den Walker-Fans zählen.

Mithilfe eines trockenen französischen Rotweins, der im Anschluss an die Lesung auch an die Gäste ausgeschenkt wurde, verwandelte sich Martin Walker, der nach eigenem Bekunden vor Lesungen an Lampenfieber leidet, zu einer echten „Rampensau“. In lockerem Plauderton verband Walker die gelesenen Passagen und verriet dabei einiges über Inspiration und sein Leben in Frankreich.

Die Erfindung der Figur des Bruno sei, so Walker, der als studierter Historiker und politischer Journalist lange Jahre für die britische Zeitung Guardian als Korrespondent unter anderem in Moskau und Washington tätig war, eher ein Unfall gewesen. Er habe zuvor lediglich langweilige politische und historische Bücher geschrieben. Erst sein Leben im Périgord habe ihn zum Schreiben von Romanen inspiriert. Und als er dann seinem Freund Pierre begegnet sei, habe er, da dieser eben Polizist sei, beschlossen, dass er nun Kriminalromane schreiben müsse. Und die Mischung aus französischem Savoir-Vivre und Krimiplot kommt offensichtlich auch beim deutschen Publikum an: Der Andrang in der City Galerie war groß. Auf Anregung seiner deutschen Leser hat Martin Walker gemeinsam mit seiner Frau Julia Watson mittlerweile auch ein Kochbuch mit den besten Rezepten von Bruno veröffentlicht. Für die Franzosen, so konstatiert Walker mit einem Augenzwinkern, sei es schon ein Schock gewesen, dass ein Schotte Autor eines preisgekrönten Buches über die französische Küche sein könne.

Von Ute Janßen